Gütesiegel & ihre Bedeutung

Ist wirklich immer das drin, was versprochen wird?

Wer zunehmend auf eine gesunde, faire, umweltbewusste, vegetarische, oder vegane Ernährung achtet, für den sind die kleinen bunten Bildchen ein echter Segen. Sie sollen dem Verbraucher auf einem Blick offenbaren, ob das jeweilige Lebensmittel bestimmten Kriterien entspricht.  

Siegel genießen beim Verbraucher generell einen guten Ruf. Sie wirken meist seriös und erhöhen das Vertrauen des Kunden. Auch wir beide legen hohen Wert auf qualitativ hochwertige Nahrungsmittel, Nachhaltigkeit und Fairness und lassen uns dafür von den Vertrauten Symbolen durch die Regale leiten.

Schon lange plagt uns die Frage, ob die Siegel wirklich auch das halten, was sie uns versprechen. Ist Bio immer gleich Bio? Ist fairer Handel wirklich fair? Welche Marken blenden den Kunden mit leeren Versprechen und wo kann ich bedenkenlos zugreifen?

Wir haben recherchiert und die Siegel, auf die wir in der Vergangenheit immer Wert gelegt haben, überprüft. 

Ein kurzer Hinweis, bevor wir starten: Da wir aus ethischen und später auch aus gesundheitlichen Gründen, alle tierischen Produkte, nach und nach, komplett von unserem Speiseplan verbannt haben, liegt in unseren Beiträgen der Fokus meist vorwiegend auf pflanzlichen Lebensmitteln. Trotzdem versuchen wir immer alle Seiten zu beleuchten, so auch in diesem Beitrag.

Kriterien für empfehlenswerte Siegel sind unter anderem der Anspruch an das Lebensmittel, das Mitwirken einer unabhängigen Institution, transparente Vergabeprozesse und regelmäßige Kontrollen.

#1 Bio und Öko Siegel

Beide Begriffe sind seit 1993 gesetzlich geschützt. Wer sein Produkt mit einem von ihnen schmückt, der muss die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung erfüllen. 

Diese schreibt eine kontrollierte biologische Landwirtschaft vor, welche die Benutzung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln und den Einsatz von Gentechnik (ausgenommen davon ist Tierfutter bis zu einem gewissen Anteil) verbietet. Zutaten in einem Bio Produkt müssen zu mindestens 95 Prozent aus dem ökologischen Landbau stammen. 

Die Verordnung des deutschen Bio-Siegel, ist der des EU-Siegels gleichgestellt. 

Begriffe wie ‘kontrollierter Anbau’, ‘integrierter Pflanzenbau’, ‘naturbewusst’, oder ‘umweltschonend’, gehören oft zum ‚Marketing‘ und sind weder geschützt, noch kontrolliert. 

#2 Bio Ernteverbände

Die deutschen Bio Ernteverbände müssen sich natürlich auch an die Bio-Verordnung halten, allerdings gehen ihre Standards noch darüber hinaus. Produkte, die diese Labels tragen, erfüllen bestimmte Kriterien, die vom jeweiligen Verband selbst festgelegt werden und weitaus strenger sind, als die der EG-Öko-Verordnung. Ernteverband-Betriebe müssen zum Beispiel vollkommen ökologisch arbeiten. Deutsche Ernteverband-Produkte sind immer zu bevorzugen.

#3 Vegetarisch & Vegan Siegel

Diese Siegel geben Aufschluss über den Ausschluss von tierischen Bestandteilen und Erzeugnissen. Produkte dürfen keine gentechnisch veränderten Organismen beinhalten. Ausgenommen davon sind Düngemittel und Tierfutter bis zu einem gewissen Anteil. Bestandteile der Verpackung werden nicht überprüft. Das V-Label ist nach unserer Ansicht vertrauenswürdig.

#4 Regionaler Anbau

Viele Hersteller werben mit der Regionalität ihrer Produkte. Dabei handelt es sich jedoch um keinen geschützten Begriff. Jeder Produzent darf ihn nach eigenem Ermessen verwenden. Wer regional kaufen möchte, der muss ganz genau hin schauen und selbst beurteilen, ob das jeweilige Produkt, nach seinen eigenen Maßstäben, als regional zu bezeichnen ist. 

Das Regionalfenster ist diesbezüglich ein sehr hilfreiches und empfehlenswertes Siegel. Es gibt Aufschluss, wo das jeweilige Produkt her kommt, wo es verarbeitet wurde und wie hoch der regionale Anteil daran ist. 

#5 Fairer Handel

Das FairTrade Siegel verlangt die Erfüllung gewisser Standards im sozialen, ökologischen und ökonomischen Bereich, fördert Bauern und Arbeiter. Zu den Standards zählen zum Beispiel das Verbot von Kinderarbeit und Mindestpreise für gewisse Produktgruppen. Fairtrade konzentriert sich vor allem auf besonders kritische Märkte wie die von Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Früchte, aber auch Textilien. 

Die Reglementierung im ökologischen Bereich schreiben einen umwelt- und ressourcenschonenden Anbau vor, liegen aber weit unter denen von Bio. Das Siegel hat einige Schwachpunkte, ist für Konsumenten, die Wert auf soziale Standards in der Produktion legen, aber zweifelsfrei zu bevorzugen.

#6 Eigenmarken

 

Egal wo eingekauft wird, wenn Bio drauf steht, muss auch Bio drin sein. Da Etikettenschwindel nicht vollkommen auszuschließen ist, sollte überprüft werden, ob sich das deutsche, oder das europäische Bio-Siegel auf der Verpackung befindet. Handelt es sich nicht um Betrug, erfüllt auch jedes Bio-Supermarkt-Produkt mindestens die Standards EG-Öko-Verordnung. Somit gelten sie als ebenso empfehlenswert wie jedes andere Bio-Produkt auch.

 

Einige Eigenmarken-Produkte stammen zudem von Bio-Anbauverbänden und erfüllen somit deutlich höhere Standards. Zum Beispiel tragen viele dm Bio Produkte das Naturland-Siegel. Produkte der Bio-Anbauverbände sind ganz besonders empfehlenswert.

Nicht oder nur eingeschränkt empfehlenswerte Siegel

  1. Dabei handelt es sich in erster Linie um Siegel, die sich auf auf sensorische Eigenschaften (Geschmack, Aussehen, Geruch), Käuferbewertungen und Verkaufszahlen beziehen. Sie vermitteln dem Kunden das Gefühl ein hochwertiges Produkt in den Händen zu halten, geben aber keinerlei, oder nur beschränkte Auskunft über ökologische, oder soziale Kriterien. (Quelle)

  1. In zweiter Linie handelt es sich um Siegel, die sich auf Produkte tierischen Ursprungs beziehen. In diesem Bereich fällt es besonders schwer aussagekräftige Siegel zu finden. Selbst Bio-Produkte sind mit Vorsicht zu genießen. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich mich darum nicht mehr kümmern muss. Um aber dennoch etwas mit an die Hand zu geben, verweisen wir an dieser Stelle auf einen Gütesiegel-Check von Greenpeace: ‘Wirklich empfehlenswert sind eigentlich nur die klassischen Biosiegel, wie Naturland, Bioland, Demeter oder das Programm von Neuland. Auch den beiden Labeln der Tierschutzorganisationen können Sie vertrauen: “Tierschutz kontrolliert GOLD” von Vier Pfoten und “Für mehr Tierschutz” vom Deutschen Tierschutzbund.’ (Quelle). Für mehr Informationen gibt es den detaillierten Siegel-Check zu Fleisch von Greenpeace (Quelle). In der Infografik hier, ist es übersichtlich zusammengefasst (Quelle: Greenpeace).

Für Fischliebhaber sieht es noch düsterer aus. Auch, wenn es vertrauenswürdige Siegel bezüglich nachhaltiger Fischerei gibt, ist es generell fraglich, ob das Überfischen der Meere (bei weiterem Konsum) überhaupt verhindert werden kann. Aus Sicht des BUND, sind Siegel zum Fischfang deshalb nur bedingt empfehlenswert und es wird generell zu einem reduziertem Konsum von Meeresfisch geraten. (Quelle)

 

  1. Im Zusammenhang mit tierischen Produkten, sollten Siegel, im Bezug auf den Verzicht von Gentechnik, besonders kritisch betrachetet werden. Während pflanzliche Produkte gänzlich frei von Gentechnik sein müssen, so dürfen in der Erzeugung tierischer Lebensmittel, obwohl sie das Siegel ‘Ohne Gentechnik’ tragen, in gewissen Mengen und bis zu gewissen Fristen, gentechnisch verändertes Futtermittel genutzt werden. (Quelle) Wer den Einsatz von Gentechnik gänzlich ausschließen will, der muss nach einem entsprechenden Hinweis des Produzenten suchen und diesem vertrauen schenken. Keine unabhängige Stelle garantiert die Erzeugung von gentechnikfreien, tierischen Lebensmitteln. 

    1. Zuletzt haben wir dann noch ein schwarzes Schaf bezüglich der rein pflanzlichen Ernährung. Die Veganblume wird von Label-Online nur als eingeschränkt empfehlenswert eingestuft, da keine standardmäßigen Vorort-Kontrollen beim Produzenten durchgeführt werden und der Vergabeprozess nicht unter Einbezug einer unabhängigen Institution erfolgt. Der Konsument muss also dem Labelgeber selbst vertrauen. Außerdem können in Produkten mit der Veganblume  Spuren von tierischen Produkten enthalten sein. Allergiker müssen doppelt acht geben und das Kleingedruckte lesen.

    Eine übersichtliche Infografik vom BUND, die unsere Label-Recherche recht unterstreicht. Quelle: Mit Brief und (Bio-)Siegel: Welche Kennzeichnung von Lebensmitteln ist empfehlenswert?.

    Fazit

    Wir bewerten das Ergebnis der Siegel-Analyse als äußerst zufrieden stellend. Zumindest für pflanzliche Produkte sind die aller meisten Gütesiegel vertrauenswürdig und aussagekräftig. Somit können wir in Zukunft noch besseren Gewissens im Supermarkt einkaufen und wissen, worauf wir verstärkt den Fokus legen möchten. 

    Besonders kritisch sind tierische Produkte. Selbst beim kontrollierten Fischfang ist nicht sicher, ob Überfischung überhaupt vermieden werden kann. Hinzu kommt die enorme Schadstoffbelastung, die ein Gesundheitsrisiko darstellst. Bei der Tierhaltung wird selbst in Bio-Betrieben, bis zu einem gewissen Teil, auf genmanipuliertes Futter zurück gegriffen. Nur bei Bio Ernteverbänden, wie z. B. Naturland, oder Demeter, kann von einer artgerechten Haltung gesprochen werden, falls so etwas überhaupt möglich ist. Gerade im Bereich tierischer Produkte sollte unbedingt auf das Ernteverband-Siegel geachtet werden. Wer die höheren Preise mit niedrigerem Konsum ausgleicht, der tut gleich doppelt Gutes für Tier, Mensch und Umwelt. 

    Zusammenfassung

    Im Folgenden möchten wir die wichtigsten Fakten und Informationen kurz und knackig zusammen fassen, damit du in Zukunft weißt, worauf du bei deinem nachhaltigen, fairen und gesunden Einkauf zu achten hast. Los gehts:

    • Wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin (vorausgesetzt kein illegaler Etikettenschwindel liegt vor). 
    • Die meisten Bio Supermarkt- und Discounter-Eigenmarken haben qualitativ hochwertige Produkte im Sortiment.
    • Bio-Ernteverbände haben deutlich strengere Kriterien als die EG-Öko-Verordnung vorschreibt und sind gegenüber ‘normalen’ Bio-Produkten zu bevorzugen. 
    • Fair gehandelte Produkte unterstützen Bauern und Arbeiter in den Anbauländern. Weisen sie zusätzlich ein Bio-Siegel auf, stellen diese eine optimale Wahl dar und sind ebenfalls zu bevorzugen. 
    • Wie regional ein Produkt ist, muss der Konsument selbst entscheiden. Der Begriff wird nicht kontrolliert. Verschiedene Siegel geben Aufschluss, wo genau ein Lebensmittel her kommt.
    • Begriffe wie ‘kontrollierter Anbau’, oder ‘umweltschonende Verarbeitung’ sind nicht geschützt und haben somit keine Aussagekraft.
    • Auch vegan gekennzeichnete Produkte können Spuren tierischen Ursprungs enthalten.
    • Der Einsatz von Gentechnik ist nur schwer auszuschließen. Das Siegel ‘Ohne Gentechnik’ verbietet nicht vollständig die Verwendung von gentechnisch manipuliertem Tierfutter.
    • Es ist fraglich, ob die Überfischung der Meere (bei weiterem Konsum & auch bei kontrollierten Fischfang) überhaupt verhindert werden kann.
    • Bei tierischen Produkten ist der Kauf von Bio-Ernteverband-Produkten noch wichtiger.

    Unser Einkauf

     

    Wir persönlich kaufen übrigens am aller liebsten in einem DM- und einem Edeka-Markt, in der Nähe ein. (Einen Bio-Markt gibt es hier noch nicht.) Die Eigenmarke von DM bietet ausschließlich Bio-Produkte. Viele davon stammen zudem vom Ernteverband Bioland und erfüllen somit höchste Qualitätsansprüche. Und das zu einem vernünftigen Preis. Wir genießen es außerdem so wenig Auswahl zu haben. Es gibt nur einen einzigen Gang mit Lebensmitteln und trotzdem finden wir fast alles, was wir benötigen. Alles, was wir nicht finden, bekommen wir dann im Edeka nebenan. Zum größten Teil von Edeka Bio und Demeter.

    Du möchtest noch mehr Informationen und selbst eines, oder gleich mehrere Siegel überprüfen? Kein Problem. Die Seiten Siegelklarheit und Label-Online geben sehr genauen Aufschluss.

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